Übertritt ans Kurzgymnasium im Kanton Freiburg: Der Eltern-Guide für eine stressfreie Vorbereitung

Veröffentlicht am 16. März 2026 um 10:24

Das Wichtigste in Kürze: Dein Kind ist in der 11. Klasse (11H) der Orientierungsschule (OS) und möchte ans Gymnasium im Kanton Freiburg? Ob es eine Aufnahmeprüfung machen muss, hängt direkt von seinem Klassentyp ab. Kinder aus der Sekundarklasse können mit der 20-Punkte-Regel (Schnitt 5.0, keine Note unter 4.5) prüfungsfrei übertreten. Reicht es nicht ganz oder besucht das Kind eine Realklasse, ist die Prüfung Mitte März in Mathe, Deutsch und Französisch zwingend

Inhaltsverzeichnis

1) So funktioniert das Freiburger System nach der OS
2) Wann genau muss dein Kind an die Aufnahmeprüfung?
3) Prüfungsfrei ans Gymi: Die 20-Punkte-Regel einfach erklärt
4) Die Aufnahmeprüfung: Was die Kinder wirklich erwartet
5) Der Fahrplan & Tipps für das Lernen zu Hause
6) Kosten und Laptop-Pflicht
7) Nützliche Links & Quellen für Eltern

Autor: Damian Leiser

Qualifikation: Zertifizierter Nachhilfelehrer (IFLW) und Mitgründer von Masterly

1) So funktioniert das Freiburger System nach der OS

Das Freiburger Kurzgymnasium dauert vier Jahre und schliesst nahtlos an die Orientierungsschule an. An der OS werden die Jugendlichen im letzten Jahr (11H) in verschiedene Klassentypen eingeteilt: Progymnasialklassen, Sekundarklassen und Realklassen. Dieser Klassentyp entscheidet massgeblich darüber, wie der Weg ans Gymnasium aussieht.

2) Wann genau muss dein Kind an die Aufnahmeprüfung?

Das ist die wichtigste Frage für Familien. Der Kanton Freiburg hat hier glasklare Regeln aufgestellt. Hier sind die vier Fälle im Überblick:

  • Fall 1: Dein Kind ist in der Sekundarklasse (11H). Erreicht dein Kind mit der 20-Punkte-Regel (Erklärung siehe unten) die nötigen Noten nicht oder hat es in einem Hauptfach eine Note unter 4.5, muss es zwingend an die Prüfung. Fairness-Bonus: In diesem Fall zählen die Zeugnisnoten der OS zu 50 % und das Prüfungsresultat ebenfalls zu 50 %.

  • Fall 2: Dein Kind ist in der Realklasse (11H). Hier gibt es keinen prüfungsfreien Weg. Die Aufnahmeprüfung ist immer Pflicht. Achtung: Bei Realschülern zählen die bisherigen Zeugnisnoten nicht; das Prüfungsresultat entscheidet allein über die Aufnahme.

  • Fall 3: Dein Kind ist in der Progymnasialklasse (11H). Normalerweise treten diese Kinder prüfungsfrei über. Erfüllt das Kind am Ende des Schuljahres die regulären Leistungsanforderungen jedoch nicht, wird die Prüfung auch hier obligatorisch.

  • Fall 4: Dein Kind besucht eine Privatschule oder ihr zieht neu in den Kanton. Auch hier ist die Aufnahmeprüfung grundsätzlich obligatorisch. Ausnahmen für Zuzüger kann nur die Direktorenkonferenz beschliessen.

3) Prüfungsfrei ans Gymi: Die 20-Punkte-Regel einfach erklärt

Für Kinder aus der Sekundarklasse ist der prüfungsfreie Übertritt das grosse Ziel. Am Ende des Schuljahres werden die Noten aus vier Bereichen zusammengezählt:

  1. Die Zeugnisnote in Deutsch (einfach gewichtet).

  2. Die Zeugnisnote in Mathematik (einfach gewichtet).

  3. Der Notendurchschnitt aus Französisch und Englisch (einfach gewichtet).

  4. Der Notendurchschnitt der "Realien" – Natur und Technik, Geografie, Geschichte & Politik (einfach gewichtet).

Ein Rechenbeispiel: Ergeben diese vier Zahlen zusammengezählt mindestens 20 Punkte (das entspricht einem exakten 5.0-Schnitt), hat dein Kind den Platz am Gymi auf sicher. Die Stolperfalle: Keine einzige dieser vier Noten (oder Durchschnittsnoten) darf unter 4.5 liegen! Eine 4.0 in Mathe kann also nicht durch eine brillante 6.0 in den Sprachen ausgeglichen werden.

4) Die Aufnahmeprüfung: Was die Kinder wirklich erwartet

Die Prüfung testet ausschliesslich den Stoff der Sekundarklasse. Aber: Es reicht nicht, nur Formeln oder Vokabeln auswendig zu lernen. Gefragt ist echtes Verständnis unter enormem Zeitdruck.

Deutsch (75 Minuten, 50 Punkte)

  • Diktat (15 Min., 10 Punkte): Extrem strenge Korrektur. Jeder noch so kleine Rechtschreib- oder Kommafehler gibt einen Abzug von 0.5 Punkten.

  • Textarbeit (45 Min., 30 Punkte): Dein Kind muss einen anspruchsvollen Text lesen, verstehen und einen eigenen Kurzaufsatz zu einem gesellschaftlichen Thema schreiben.

  • Grammatik (15 Min., 10 Punkte): Hier müssen Fälle bestimmt und Sätze in ihre Glieder zerlegt werden (Satzgliedanalyse).

Mathematik (60 Minuten, 50 Punkte)

  • Teil 1 ohne Taschenrechner (Max. 20 Min., 20 Punkte): Bruchrechnungen und Gleichungen müssen zügig gelöst werden.

  • Teil 2 mit Taschenrechner (Mind. 40 Min., 30 Punkte): Längere Textaufgaben, bei denen die Kinder zum Beispiel Preise vergleichen oder Volumen ausrechnen müssen.

Französisch (60 Minuten, 50 Punkte)

  • Hör- und Leseverstehen (zusammen 25 Punkte): Oft als Richtig/Falsch-Fragen aufgebaut, die unter Zeitdruck beantwortet werden müssen.

 

  • Text schreiben (25 Punkte): Der absolut wichtigste Teil! Für einen eigenen Text (mindestens 150 Wörter) gibt es exakt die Hälfte aller Punkte.

5) Der Fahrplan & Tipps für das Lernen zu Hause

Wie unterstützt du dein Kind am besten? Der grobe Fahrplan für das nächste Schuljahr (z. B. Eintritt 2027/2028) sieht so aus: Von November bis Januar gibt es Infoabende der OS. Im Januar bis Mitte Februar müsst ihr das Kind verbindlich online anmelden. Mitte März gilt es an der Prüfung ernst.

Drei wertvolle Tipps für die Vorbereitung:

  1. Gegen die Zeit spielen: Lade alte Prüfungen herunter. Lasst dein Kind diese mit der Stoppuhr lösen. Wenn es weiss, wie sich 20 Minuten für den Matheteil anfühlen, nimmt das am Stichtag extrem viel Stress weg.

  2. Clever lesen: Gebt eurem Kind ab und zu Artikel aus dem Migros-Magazin oder der NZZ. Das hilft enorm, den Wortschatz für die Aufsätze in Deutsch und Französisch zu erweitern.

  3. Französisch hören: Lasst nebenbei französisches Radio oder Podcasts laufen, um das Ohr an das natürliche Sprechtempo zu gewöhnen.

6) Kosten und Laptop-Pflicht

Das gesetzlich reglementierte Schulgeld liegt im Kanton Freiburg bei moderaten 400 CHF im Jahr , dazu kommt eine einmalige Einschreibegebühr von 100 CHF. Rechnet man obligatorisches Schulmaterial und Ausflüge dazu, landet man bei etwa 1300 CHF pro Jahr. Zudem braucht jedes Kind zwingend einen eigenen, funktionstüchtigen Laptop für den Unterricht (BYOD-Prinzip). Das kostet im ersten Jahr meist nochmals rund 800 CHF extra.

7) Quellen und nützliche Links

Damit ihr nicht lange suchen müsst, haben wir hier die wichtigsten offiziellen Anlaufstellen des Kantons verlinkt:

  • Amt für Unterricht der Sekundarstufe 2 (S2): Die primäre Kontaktstelle für alle administrativen Fragen rund um den Übertritt. Hier geht es zur Website des Amts S2.

  • Aufnahmebedingungen im Detail: Die detaillierten, offiziellen Bedingungen für Gymnasien und Fachmittelschulen findet ihr auf dieser Informationsseite des Kantons.

  • Das Prüfungsarchiv: Der Kanton stellt die echten Altprüfungen online. Ideal zum Üben! Es gibt jedoch keine offiziellen Musterlösungen. Die PDF-Downloads findet ihr hier: Zu den Aufnahmeprüfungsbeispielen

Bereit für den Übertritt? Mit Masterly ans Ziel!

Der Leistungsdruck in der Orientierungsschule und der Übertritt ans Gymnasium können Familien stark belasten. Lass den Hausfrieden intakt und hole dir Profis an die Seite! Bei Masterly unterstützen wir dein Kind ganzheitlich.

Ob gezielte Nachhilfe in den Kernfächern, um die 20-Punkte-Hürde entspannt zu schaffen, spezifisches Stresstraining für die Gymiprüfung oder begleitendes Coaching für einen erfolgreichen Start am Kurzgymnasium – wir bieten massgeschneiderte Lösungen, die exakt auf dein Kind abgestimmt sind.